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Ein "wilder Fahrer" und seine Liebe zur Horex
Fred Roos besitzt'eine der schönsten Sammlungen der einstigen Kult-Marke.
Mit "Regina 1" fing alles an. Alle Maschinen hat der Bülgenauler eigenhändig zusammengebaut
Von hel Vogel
HENNEF. Wer im Siegtal zwischen Hennef und Eitorf wohnt, hat die chromblitzenden Motorräder mit der nostalgischen Optik, dem charekteristischen, satten Klang und Fred Roos auf dem Sattel schon oft gesehen. Der rüstige Senior aus Bülgenauel bewegt seine Oldtimer bei Wind und Wetter. Nicht irgendwelche Zweiräder, denn der 71-Jährige nennt eine der wohl schönsten und umfangreichsten Sammlungen alter Horex sein eigen. Bis 1953 in der Pfalz gefertigt, genießt Horex nicht nur in Fachkreisen ob ihrer damals zukunftsweisenden und robusten Technik Kultstatus.
35 Stück der Oltimer hat Fred Roos von der ersten bis zur letzten Schraube eigenhändig neu zusammengebaut - und es kommen immer wieder neue dazu. Sein schmuckes Einfamilienhaus unterscheidet sich rein äußerlich kaum von den Nachbarhäusern. Gleichwohl haben es die vier Wände von Fred und seiner Frau Evelin (70) im Wortsinne in sich: Im Keller, der Garage und einem Anbau ist Platz für einen museumsreifen Fuhrpark.
Kenner der Horex-Produkte dürften allein schon beim Klang solcher Namen wie "Regina" oder "Imperator 400", Baujahr 1955, mit der Zunge schnalzen. Raritäten sind auch die 1949 gebaute "SB 35" oder eine Bücker T 6 (Seitenventiler), Baujahr 1936, die von einem 600 Kubikzentimeter Columbus-Motor angetrieben wird. Laut Roos gibt es von der T 6 nur noch zwei Stück.
Schmuckstücke in seinem Keller: drei Vorkriegsmodelle von DKW und eine französische MotoRonix, Baujahr 1922. All die Typen finden sich in Roos liebevoll arrangierten Privatmuseum wieder, blitzblank gewienert" und jederzeit betriebsbereit" . Lediglich die Batterie ist ausgebaut. 28 seiner Motorräder sind sogar angemeldet und werden regelmäßig auf Ausfahrten bewegt.
Mit einer "Regina 1" fingt im Hause Roos alles an. Mit 600 Mark in der Tasche, "meinem ersten selbstverdienten Geld", kaufte der angehende Modellschlosser mit seinem Vater das damals meistgebaute Motorrad. .1 800 Mark kostete die gebrauchte Maschine, wes halb der Vater auch einen Wechsel unterschreiben musste. Fortan war Roos junior begeistert von seiner 350 Kubik-Maschine, die er ob ihres Viertakters und des vollen Tons" liebte.
Auch auf seine damalige Freundin Evelin machten Motorrad und Fahrer Eindruck. "Was willst Du denn mit dem wilden Horex-Fahrer?", wurde sie dagegen von Arbeitskollegen gefragt, wenn sich Fred ihrem Arbeitsplatz näherte.
Zwei Jahre hielt die Liebe, die zu dem Motorrad wohlgemerkt nur: Fred Roos baute einen Unfall, wobei im Polizeibericht zu lesen stand: "Fred Roos ist als wilder Fahrer bekannt." Er wurde fortan ruhiger, heiratete seine Evelin, beide bekamen drei Kinder. Rund 30 Jahre lang war von Horex keine Rede mehr. Bis Evelin Mitte der 80er bei einem Besuch in Morsbach eine entdeckte und sagte: "Wenn du wieder eine Horex hättest, würde ich auch wieder mitfahren."
Das wiederum ließ Fred Roos sich nicht zweimal sagen. "Ich hatte dann auch schon den Wunsch, mir eine Sammlung zuzulegen", erinnert er sich. Akribisch begann der Hennefer nun in Sammlerkreisen, bei Fachtreffen und später vor allem im Internet Ausschau nach alten Motorrädern zu halten. Dabei entdeckte er oft nurmehr schrottreife Maschine, die er originalgetreu in seiner Werkstatt wieder aufbaute. Oft suchte sich der Sammler die Einzelteile in halb Europa zusammen. Beispiel Horex SB 35:. V orderteil aus Kroatien, Hinterteil aus Norddeutschland und der Rahmen aus Stuttgart.
Wer wird seine Sammlung eines Tages übernehmen? Unter den Kindern und Enkeln hat sich noch kein heißer Kandidat gefunden, was der Senior gelassen nimmt: "Um das hier zu machen, muss man auch schon ein wenig verrückt sein." Inmitten seiner Schätze: Fred Roos sammelt mit großer Leidenschaft Motorräder der Marke Horex.
I HOREX
1923 gründete Fritz Kleemann in Bad Homburg die "Horex Fahrzeugbau AG". Der Name war eine Symbiose aus Homburg und der REX - Konservenglasgesellschaft Bad Homburg, die seinen Eltern gehörte. Sein Vater Friedrich war zudem Eigentümer der Motorenfabrik "Columbus-Motorenbau AG" in Oberursel. 1925 fusionierten die Firmen. Es entstand Maschinen von 250 bis 800 Kubikzentimeter. Während des Zweiten Weltkrieges ruhte die Produktion. Ab 1950 lief das Erfolgsmodell "Regina" vom Band.
Wegen Absatzschwierigkeiten stellte Horex die Produktion 1956 ein, Daimler-Benz übernahm das Werk.

Quelle:
Veteranenfreunde Siebengebirge e.V

Fred in seinem" Wohnzimmer"